Update

Lange ist es her, seit ich das letzte Mal über etwas hier geschrieben habe. Angefühlt hat es sich zwar wie zwei / drei Wochen, aber ein Blick auf die letzten Beiträge zeigte mir, dass es dreieinhalb (!) Monate waren. Fast schon beängstigend, wie unfassbar schnell die Zeit vergeht. Mittlerweile ist schon deutlich mehr als die Hälfte meines Jahres hier in Vietnam vergangen. Erst wenn ich mir Zeit nehme, mal darüber nachzudenken, bzw. darüber zu schreiben, realisiere ich, was eigentlich alles passiert ist oder was ich alles erlebt habe.

Also, was ist alles passiert seit dem letzten Beitrag? Zwischenseminar, vietnamesische Hochzeit, U23 im Finale der Asienmeisterschaften im Fußball, Tet – das vietnamesische Neujahr, Urlaub im Süden Vietnams, ich habe ein Fußballteam gefunden, viele neue Freunde kennengelernt, mein Vorfreiwilliger ist zu Besuch für einige Zeit, meine Familie war über die Osterferien zu Besuch und, so ganz nebenbei, wird auch noch viel gearbeitet. Achja, die Suche nach einem Studium läuft übrigens auch auf Hochtouren. Wie ihr seht ist alles andere als wenig los. Mich selbst überrascht es, wie viel ehrlich gesagt los ist, war und sein wird.

Was ich ja ganz vergessen habe: Unsere „neue“ Regierung „arbeitet“. Mit König Horst, dem Wirtschaftsflüchtling aus Bayern, als Heimatminister, wie schön. Die abgewählte, visionslose GroKo macht weiter so, wie wundervoll. Die AfD ist Oppositionsführer, dabei hätte Opa Gauland den Titel bestimmt lieber ohne „Oppositions“, hat leider nicht ganz geklappt. Und Mutti sprüht fast vor Ideen und konkreten Konzepten für ihre neue Amtszeit. Jens Spahn findet sein Ministerium langweilig und schwadroniert lieber über den Islam und Armut, was ein Typ… Und wir haben Zeit über Kopftuchverbote in Kindergärten zu diskutieren, anstatt die wahren Probleme in diesem Land (Bildung, fehlende Investitionen, Pflegenotstand, Renten, Einkommensverteilung, Hartz IV, Klimawandel, Rüstungsexporte, Gesundheitssystem, Lobbyismus, … ) anzugehen. Da wünscht man sich ja fast, in Deutschland zu sein und das feiern zu können. Obwohl Schönsaufen bestimmt der bessere Begriff wäre.

 

Tet Holidays

Über alles zu berichten und vor allem sich über unsere politischen Entscheidungsträger aufregen, würde viel zu lange dauern, dafür gibt es einfach viel zu viel zu erzählen. An dieser Stelle möchte ich außerdem um Entschuldigung bitten, dass es so lange nichts von mir zu hören gab. In letzter Zeit war wirklich viel los, auch und vor allem bei der Arbeit, sodass mir in meiner kurzen freien Zeit die Konzentration und die Motivation fehlten, produktiv an meinem Blog weiterzuschreiben. Ich habe mir jedoch vorgenommen, wieder mehr daran zu arbeiten, da es mir schließlich auch Spaß macht zu schreiben und zu berichten.

Wie immer gilt jedoch: Falls ihr noch mehr wissen möchtet oder Fragen habt, meldet euch einfach per eMail, Whats App oder was es sonst noch so gibt. In diesem Beitrag beschränke ich mich mal auf das Wichtigste – was wahrscheinlich eh nicht klappt, da es viel zu viel zu erzählen gibt.

Mitte Februar war das Lunar New Year Festival, das neue Jahr nach dem Mondkalender. Dieses Ereignis ist das mit Abstand wichtigste Fest in Vietnam. Das Fest wird traditionell mit der Familie verbracht, sodass zu dieser Zeit die meisten in ihre Heimat zurückfahren. Daher sind in diesem Zeitraum so gut wie alle Busse, Züge oder Flüge ausgebucht. Ein wunderschönes Bild, was das alles sehr gut beschreibt, habe ich auch dazu gefunden:

Ein vietnamesischer “Sleeper-Bus”, normalerweise verteilen sich die Fahrgäste auf die Betten, welche in drei Reihen im Bus stehen, Etagenbetten jeweils. Hier sieht man sich jedoch die Leute zusätzlich auf dem Boden stapeln, in dem Gang auf der anderen Seite dürfte es genau so sein. So werden aus den zugelassen 45 Fahrgästen mehr als 100!

 

Vor dem ersten Tag des neuen Jahres werden alle Vorbereitungen getroffen, da über Tet so gut wie alle Geschäfte geschlossen sind und traditionell das Haus nicht geputzt wird, da sonst das Glück aus dem Haus gefegt wird. Somit fallen vor dem Fest viele Arbeiten in der Familie an.

Die ersten Tage des neuen Jahres nach dem Mondkalender werden dann nach festen Traditionen verbracht. Am ersten Tag besucht die Familie traditionell die Gräber der Vorfahren und geht zur Pagode, um für das neue Jahr zu beten. Danach wird der Tag im engen Kreis der Familie verbracht. Am ersten Tag geht man zudem nicht ohne Einladung ein Haus besuchen. Der zweite Tag ist dann für den erweiterten Kreis der Familie. In den darauf folgenden Tagen werden Freunde, Arbeitskollegen oder andere Verwandte besucht. Dies läuft meistens so ab:

Die Haustür steht für jeden offen, der zu Besuch kommen will. Mindestens einer der Familie bleibt somit immer zu Hause, um die Besucher zu empfangen. Der Rest der Familie ist meistens unterwegs. Die Besucher bleiben meist auch nicht sehr lange, nur um frohes neues Jahr zu wünschen, kurz etwas zu essen und den Kindern „Lucky Money“ zu schenken. Je nach Einkommen der Familie werden jedem Kind mindestens 20.000 VND bzw. mehr geschenkt. Die Scheine müssen dabei frisch gedruckt sein, da es ansonsten kein Glück bringt. Auch die Banken erleben vor Tet also einen Ansturm von Menschen, die ihr Geld gegen frisch gedruckte Scheine tauschen wollen.

Sehr speziell und wichtig ist zu Tet auch das Essen. Dazu gehört z.B. bánh chung dazu. Dies ist eine in Bananenblätter eingewickelte Rolle aus Klebereis, gefüllt mit Fleisch und Bohnen. Diesen haben wir auch in der TTG zubereitet. Dies ist sehr aufwendig und beansprucht viel Zeit. Einen ganzen Tag lang haben einige Mitarbeiter die Kuchen vorbereitet und in die Bananenblätter eingerollt. Danach mussten sie – über Nacht – 12 Stunden in einem Topf mit Wasser über dem Feuer gekocht werden. Da dies der letzte Abend mit den Youngstern war, saßen wir noch sehr lange zusammen am Feuer. Um halb vier begann meine Schicht das Feuer zu überwachen. Aber gelohnt hat es sich. Bánh chung schmeckt echt ziemlich gut und da wir so viel hatten, gab es in den Tagen über Tet und noch länger danach immer wieder diesen Kuchen. Die Müdigkeit am nächsten Tag war es allemal wert.

Am darauffolgenden Samstag haben wir vormittags noch einen Ausflug mit den Youngstern in den Stadtpark gemacht. Dieser war, so wie die ganze Stadt, schön mit Blumen, Skulpturen und vielem mehr geschmückt. Alles bereitete sich so gut es geht auf das Fest vor.

Am Neujahrsabend gab es in Hue an der Zitadelle ein großes Feuerwerk. Feuerwerke sind sehr selten in Vietnam, da Vietnam kein sonderlich reiches Land ist und somit kein Geld für große Feuerwerke in allen Städten zur Verfügung steht. Dementsprechend groß war der Andrang zum Neujahrsfeuerwerk in Hue. Und dementsprechend groß war die Begeisterung über das Feuerwerk. Es war natürlich nicht zu Vergleichen mit den Bildern, die jedes Neujahr aus Berlin oder anderen westlichen Großstädten kommen. Dennoch fand ich es hier viel schöner, da man die Begeisterung und Aufregung der Menschen erleben konnte. Alles in allem ein mehr als gelungenes Ereignis.

Die nächsten Tage verbrachten wir bei vielen Freunden, Mitarbeitern und deren Familien, bei denen wir eingeladen waren. Besonders dabei war noch der vierte Tag des neuen Jahres, an den alle TTG Mitarbeiter mit zwei gemieteten Bussen nacheinander die Familien der meisten besucht haben. Ein sehr langer, sehr schöner Tag mit vielen Freunden, noch mehr zu essen und Bier.

Aber – nicht dass ein falscher Eindruck entsteht – in der Zeit ging es um viel mehr als Bier. Es war eine Zeit voller neuer Eindrücke und Erfahrungen, da ich dieses sehr traditionelle Fest mit meinem vietnamesischen Freunden und Mitarbeitern erleben konnte. Dieses ist bei weitem der beste Weg Einblick in die Kultur des Landes zu bekommen und diese zu verstehen.

 

Urlaub im Süden Vietnams

Am vierten Tag des neuen Jahres – nach dem Besuch bei allen Mitarbeiterfamilien – ging es, spät abends nach dem Ausflug zu allen Familien der Mitarbeiter, für mich in den Urlaub. Eine Woche in den Süden Vietnams. Sài Gòn, Mekong Delta und Phú Quoc. Das war der Plan. Unterwegs war ich mit Antonia und zwei Freiwilligen, die ich auf dem Zwischenseminar kennengelernt habe. Die beiden haben „nur“ einen 6-monatigen Freiwilligendienst in Vietnam gemacht und sind zum Ende ihres halben Jahres hier nochmal in den Urlaub gefahren. Auf dem Seminar kam die Idee, dass Antonia und ich die letzte Woche mitfahren und wir uns so noch einmal sehen, bevor sie wieder nach Hause flogen.

Gesagt, getan. In der Nacht sind wir in Sài Gòn angekommen. Unser Flug hatte, wie wirklich jeder Flug von VietjetAir Verspätung, sodass wir um halb drei Uhr nachts im Hostel ankamen. Am nächsten Tag trafen wir uns mit einer weiteren Freiwilligen, die ein Jahr in Sài Gòn arbeitet und die wir ebenfalls auf dem Seminar kennengelernt haben. Nach dem ganzen Regen der letzten Monate war es wie eine Erlösung mal einen warmen, sonnigen Tag zu erleben.

Nächster Halt war Can Tho, eine Stadt im Mekong Delta. Das Mekong Delta war mir zuvor häufig als Must See Destination in Vietnam zu Ohren gekommen. So besonders fand ich es jedoch nicht. Es war schön, mit kleinen Booten durch die unzähligen kleinen Flüsse, Mangroven zu fahren und Fließende Märkte zu sehen. Die zwei Tage, die wir dort waren reichten jedoch völlig aus. Danach hatte man auch alles Wichtige gesehen. Deshalb war es interessant, dort gewesen zu sein, mein Lieblingsplatz in Vietnam ist es jedoch nicht.

Nächster und letzter Stopp der Reise war die Insel Phú Quoc ganz im Süden Vietnams. Der Weg dorthin war eine einzige Odyssee. In unserem Hostel in Can Tho sagte man uns, dass sie uns Tickets Bus zum Hafen der Fähre reserviert hätten und wir die Fährentickets nur am Hafen bekommen könnten. Am Morgen stellte sich dann heraus, dass sie es vergessen haben die Tickets zu reservieren. Zum Glück gab es noch welche an der Busstation, sodass wir den Bus bekamen. Am Hafen sahen wir dann eine große Menschenmenge warten. Da die Tet Holidays sich dem Ende neigten, fuhren viele Vietnamesen wieder zurück zu ihrem Arbeitsplatz, an dieser Stelle Phú Quoc. Unsere Befürchtung wurde kurz darauf wahr… Die Fähren waren ausverkauft. Ein Typ am Straßenrand sproch uns daraufhin an und meinte für 400.000 VND pro Person bringt er uns zu einer anderen Hafenstadt und auf die Fähre dort.

Wir wollten unbedingt noch an dem Tag auf die Insel, weshalb uns nichts übrig blieb als diesem Typen zu vertrauen. Mit einem uralten Bus ging es dann zur anderen Stadt wo wir tatsächlich die Fähre bekamen. Aus dem Plan nachmittags anzukommen und noch am Strand zu entspannen wurde dann eine Odyssee, die um zehn Uhr abends mit der Ankunft am Hostel endete.

Diese Anreise hatte sich jedoch allemal gelohnt. Phú Quoc ist (noch) ein kleines Inselparadies. Warum das „noch“ da steht, könnt ihr im nächsten Abschnitt nachlesen. Jedenfalls hatten wir sehr schöne Tage dort. Das lag auch an unserem ziemlich coolen, sehr kleinen Hostel. Am ersten Tag hatten sie mit den anderen Gästen eine private Bootstour zu den kleinen Inseln südlich von Phú Quoc organisiert. Dort fahren zwar auch viele organisierte Touren hin, da wir jedoch einen anderen Weg gefahren sind, hatten wir die meisten Strände und vor allem den Platz zum Schnorcheln für uns allein. Die Tour war klasse, ein nerviges Andenken für die darauffolgenden zwei Wochen blieb jedoch: Ein wunderbarer Sonnenbrand auf dem Rücken. Zwei Stunden Schnorcheln waren doch zu viel für die Sonnencreme. Egal, das sollte mir nicht die Zeit vermiesen lassen.

Wir hatten ziemlich Glück, dass unser Hostel am schönsten Strand Phu Quocs lag. Am schönsten, weil er nicht so voll, sauber und (noch) nicht zugebaut war. Ein weiteres „noch“. Vielleicht kommt ihr langsam auf eine Idee, was im nächsten Absatz kommt.

Viel zu schnell war die Woche Urlaub dann auch schon wieder vorbei. Für unsere Freunde ging es zurück nach Österreich, für uns zurück zur Arbeit nach Hue. Dort war das Wetter mittlerweile auch wieder gut, was das Zurückkommen aus dem Urlaub doch um einiges erleichterte.

 

Tourismus in Vietnam (Beispiel Phú Quoc)

Bevor es losgeht, zwei Klarstellungen: Es soll im Folgenden nur um Phú Quoc gehen, nicht um andere Regionen Vietnams, in denen die Tourismusentwicklung anders aussieht. Zudem soll es um meine Eindrücke und die daraus folgende Beurteilung gehen, die ich gerne teilen möchte.

Viele Freunde, mit denen ich vorher über den Urlaub gesprochen habe, sagten, Phú Quoc sei touristisch, teuer, zugebaut, um nur ein paar der Sachen zu nennen. Es gab jedoch auch einige, die sagten, es sei sehr modern, sauber und schön dort. So konnte ich grob erahnen, was mich erwarten wird. Ein eigener Eindruck ist jedoch immer besser, als eine aus verschiedensten Erzählungen zusammengewürfelte Meinung.

Auf der Fähre nach Phú Quoc bekam ich eine Nachricht aus unserem Hostel mit der Wegbeschreibung. Wir sollten ein Resort angeben, dieses würde der Taxifahrer kennen und die letzten Meter zu Fuß gehen. Jedoch nicht ins Hotel hinein, dort würde eine Nacht 500 US-$ kosten. Bereits hier und kurz danach auf der Taxifahrt bestätigte sich ein Klischee. Teure Resorts, die sich an den Stränden aneinanderreihen und für den Luxustourismus gedacht sind. Viele von diesen sind noch in Bau bzw. in der Planung.

Dies wurde mir klarer, als wir einen Tag mit einem Moped die Insel erkundeten. Die Küstenstraße war – auf der Strandseite – voll mit Baustellen; Baufahrzeugen und halb fertigen Gebäuden. Auf den Bildern vor der Baustelleneinfahrt konnte man immer sehen, was dort gebaut wurde. Hier war es ein teures Resort, etwas weiter eine Luxusapartmentsiedlung. Alles schön modern und richtig teuer. Die lokale Bevölkerung, die dort mal gelebt hat, wird auf die andere Seite der Straße oder in andere Teile der Insel verbannt. Dort, wo die Mieten oder die Grundstückspreise noch nicht durch die Decke geschossen sind.

Auf Phú Quoc wird wirklich alles dafür getan, um möglichst viele Touristen und somit möglichst viel Geld auf die Insel zu bringen. Zwei Beispiele:

1.: Infrastruktur: Phú Quoc besitzt seit ein paar Jahren einen neuen Flughafen mit extra langer Start- und Landebahn. Die wird auch benötigt, da es mittlerweile Direktflüge aus Moskau und sogar London nach Phú Quoc gibt. In unserem Hostel war ein Engländer, der uns erzählt hat, er hat einen Hin- und Rückflug direkt aus und nach London für umgerechnet 275 Euro bekommen. Allein dass es Direktflüge aus London gibt, war schon erstaunlich. Dieser Preis ließ uns dann etwas sprachlos neben ihm sitzen.

Und noch weiter geht´s bei der Infrastruktur: Die Straßen, die vom Flughafen zu den Hotels gehen, sind die besten Straßen, die ich in meinem ganzen Jahr in Vietnam gesehen habe. Doch sobald die Hotelreihen vorüber sind und es zu den lokalen Orten geht, werden aus diesen Straßen Sand- oder Kiespisten, auf denen Fahren wirklich nicht mehr angenehm ist. Nächstes Beispiel: Im Februar dieses Jahres wurde die längste Seilbahn der Welt auf Phu Quoc eröffnet. Sie ist knapp 8 Kilometer lang und führt vom Festland zu einer der kleinen Inseln im Süden. Getragen von 164 Meter hohen Betonsäulen. Rücksicht auf die Natur? Fehlanzeige! Wie so oft!

2.: Visum: 2005 wurde Phu Quoc zur Sonderwirtschaftszone erklärt, diesen Status hat die Insel bis heute. Eine Besonderheit: Bürger aller Nationen der Erde können 30 Tage lang visumsfrei auf der Insel bleiben! Unter der Voraussetzung, dass die Touristen Phu Quoc nicht verlassen, denn für den Rest Vietnams gelten die normalen Visabestimmungen. Dieses Hindernis wurde auf Phu Quoc nun beseitigt, um die Insel noch attraktiver für Touristen zu machen.

Ökonomisch gesehen bringt der Tourismus in Vietnam enormes Potenzial mit sich. Vietnam hat als Destination bereits einen sehr guten Ruf in der Welt und gilt bei vielen – gerade im Vergleich zu Thailand oder Bali – noch als Geheimtipp in Asien. Die Entwicklung in diesem Sektor ist rasant, die Touristenzahlen steigen jährlich stark. Genauso schnell steigen dementsprechend die für Land so dringend benötigten Einnahmen. Aus ökonomischer Sicht ist es keine Überraschung zu versuchen, diese Entwicklung aufrecht zu halten und zu optimieren.

Dabei werden an vielen Stellen die Gefahren oder die ökologische Verträglichkeit des Booms völlig außer Acht gelassen. Gerade weil ich hier lebe und nicht nur auf Reisen bin, fällt mir das besonders auf. Phu Quoc war in diesem Punkt wirklich ein Negativbeispiel für mich. Es ist mir unverständlich wie man sich dem ökonomischen Potenzial ohne Rücksicht auf Natur und Bevölkerung so unterwerfen kann. Und damit aus einer wunderschönen Insel, die Phu Quoc definitiv ist, eine Massenabfertigung von Touristen macht.

Geld regiert die Welt. Mal wieder, wie immer eigentlich! Doch gut, dass es nicht überall in Vietnam so ist und es so viele sehenswerte Orte gibt. Ein Grund, weshalb es mir so gut gefällt in diesem Land zu leben. Die Vielfalt an Kultur, Orten, Sehenswürdigkeiten, Landschaften, usw. ist beeindruckend!

 

Familienbesuch

Und dann hatte ich ja im März auch noch Geburtstag. Da dieser in der Zeit die deutschen Osterferien lagen, konnte ich diesen Tag sogar mit meiner Familie verbringen, die über die Osterferien nach Vietnam geflogen ist. Auf diesen Besuch habe ich mich wirklich sehr gefreut. Sieben Monate waren da vergangen, als wir uns am Flughafen in Frankfurt “Auf Wiedersehen” gesagt haben, eine ganz schöne lange Zeit, die jedoch für mich wie im Flug verging. Ich hatte zwar nie wirklich Heimweh während meiner Zeit hier, aber natürlich vermisst man auch seine Familie. Zudem habe ich uns einen gemeinsamen Urlaub im Norden Vietnams gebucht. Sehr viele Gründe also, um mich auf meine Familie zu freuen.

Die Freude war natürlich nicht nur meinerseits. Für meine Familie vergingen die letzten sieben Monate nicht so schnell wie für mich, und ungewohnt war es auch ohne mich zu Hause. Zudem hatten sie die Möglichkeit nach Vietnam zu fliegen, auch etwas, was man nicht alle Tage hat. Auch sie haben sich also sehr auf unsere gemeinsamen fast zwei Wochen sehr gefreut. Da die Familie von Antonia auch zur gleichen Zeit für zwei Wochen da war, haben wir fast alles zusammen gemacht.

Die ersten Tage waren wir zusammen in Hue. Da ich diese Woche noch arbeiten musste haben wir uns immer abends zum Essen, aber eher zum einfach Wiedersehen und Erzählen getroffen. Mein Projekt hat meine Familie auch besucht, an einem Donnerstag, an dem auch der sharing evening immer ist. Dieser Tag war der Schönste in Hue. Es hat mir viel Spaß gemacht ihnen TTG zu zeigen und sie den Youngstern vorzustellen, welche mit ihrer unglaublich offnenen und freundlichen Art meiner Familie einen tollen Empfang geboten haben. Da an dem Tag auch sharing evening war, konnten sie einen schönen Eindruck von meinem Projekt bekommen. Jetzt wissen sie, dass ich gut aufgehoben bin hier in Vietnam; höchstwahrscheinlich wussten sie es auch schon vorher.

An meinem Geburtstag hatte ich ein paar Freunde eingeladen, um zusammen Abend essen und danach etwas trinken zu gehen. Leider war ich an diesem Tag krank, weshalb ich weder etwas essen noch etwas trinken konnte. Unglücklich, aber leider nicht zu ändern! Ein dennoch sehr schöner Abend, da meine Familie einmal einige meiner Freunde kennenlernen konnte. Auch darüber waren sie sehr glücklich. 

Am Tag nach meinem Geburtstag ging es dann schon los auf Reisen. Schließlich wollte ich ihnen auch etwas von Vietnam zeigen und auch dorthin fahren, wo ich selbst noch nicht war. Da ich nun schon so lange in Vietnam bin und auch schon öfters in Hanoi war, fühlte es sich fast so an, als wenn ich meine Familie durch meine zweite Heimatstadt führe. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, ihnen Dinge zu zeigen und an einigen Stellen immer wieder die Kultur zu erklären. Am selben Tag haben wir uns noch mit Zoe (Blind School Hanoi und Jonathan (Turtle Conservation Center, Cuc Phuong National Park) getroffen, zwei Freunde und Freiwillige aus dem Norden Vietnams. 

Der Plan für den Urlaub sah wie folgt aus: Hanoi (ein Tag) -> Bergprovinz Ha Giang (drei Tage) -> Ha Long Bay und Cat Ba island (drei Tage) -> Hanoi (zwei Tage). Sehr viel Programm für eine so kurze Zeit, allerdings sollte meine Familie ja etwas zu sehen bekommen. Und das haben sie auch. Ich kann schonmal vorwegnehmen, dass sie auf jeden Fall wieder nach Vietnam kommen möchten.

Nach Ha Giang sind es mit dem Bus ungefähr 8 Stunden. Wir hatten uns für die drei Tage einen privaten Bus gemietet, was eigentlich völlig falsch für den Norden ist, aber für 10 Personen perfekt war. Auf einem Motorrad wollte ich uns dann doch nicht durch die Berge schicken. Der erste Tag bestand größtenteils aus der Fahrt. Kein großes Problem, nach sieben Monaten gab es schließlich sehr viel zu erzählen. Zudem haben wir in einem sehr typisch vietnamesischen Restaurant gegessen, auch ein Erlebnis für alle. Dort bekamen wir zum ersten Mal hausgemachten Reisschnaps zu trinken, typisch Nordvietnam. Abends als es dunkel war kamen wir nach einer sehr langen Fahrt im Homestay in einem Bergdorf an. Dort gab es ein geniales Abendessen, und – mit den Mitarbeitern des Homestays (Mitglieder der Hmong Minderheit) – viel Reisschnaps.

Der Plan war ursprünglich bis hoch an die chinesische Grenze in die richtig hohen Berge zu fahren, dies hätte jedoch nochmals 5 Stunden mehr Fahrt und vor allem eine endlose Rückfahrt bedeutet. So fragten wir die Mitarbeiter des Homestays, ob sie uns in der Gegend herumfahren und einige Sachen zeigen können. So wanderten wir zunächst zu einer ziemlich großen und schönen Höhle und danach zu einem abgelegenen Wasserfall. Viel besser als nochmal stundenlang im Bus zu sitzen.

Danach ging es zurück nach Ha Giang City, mit Stopp auf einer schönen Aussichtsplattform namens “Ha Giang Heaven Gate” und am nächsten Tag zurück nach Hanoi. Obwohl wir nur so kurz und nicht bis in die richtig hohen Berge gekommen sind, ist diese Region schon jetzt mein Favorit in Vietnam. Die Natur dort oben, zusammen mit den traditionellen Dörfern vieler ethnischer Minderheiten ist der Wahnsinn. Zudem ist Ha Giang touristisch noch nicht wirklich erschlossen, dementsprechend wenige Touristen haben wir dort getroffen. Viel schöner als das Bergdorf Sapa, welches komplett dem Massentourismus überlassen wurde.

Nächster Punkt unserer Reise war eine Bootstour durch die Ha Long Bay und nach Cat Ba, eine große Insel in dieser Bucht. Die Ha Long bucht ist UNESCO Welterbe und das Naturhighlight Vietnams. Es war ziemlich beeindruckend durch die 1969 (Zufall, dass die Anzahl der Inseln dem Todesjahr Ho Chi Minhs entspricht???) kleinen, aus dem Wasser ragenden, Inseln zu fahren. Auf der Reise lernten wir auch einige andere sehr nette Leute kennen, mit denen wir eine sehr schöne Zeit hatten.

Die Rückfahrt war dann wieder ein kleines Abenteuer. Wegen Starkregens und Wind durften keine Schiffe fahren, wir mussten also per Fähre von der Insel (warum die fahren durfte, weiß ich auch nicht, aber zum Glück fuhr sie). Da sowohl die Ha Long Bay als auch Cat Ba touristisch völlig überlaufen sind, wollten dementsprechend viele LEute am selben Tag wie wir von der Insel. Die Fähren waren jedoch sehr klein, baufällig und auf Grund des Wetters nur unregelmäßig fahren. Wir mussten insgesamt zwei Stunden am Anleger im Wind und Regen warten, das wurde mit der Zeit richtig kalt. Zudem mussten wir “nur” zwei Stunden warten, da wir aus dem Bus ausgestiegen sind un uns zu Fuß ganz nach vorne gedrängelt haben.

Endlich angekommen auf der anderen Seite mussten dann neue Busse für die Rückfahrt nach Hanoi her. Auch diese waren rar, weshalb wir nochmal knapp zwei Stunden warten mussten. Gegen neun Uhr abends war diese ganze Odyssee dann in Hanoi vorbei. Am selben Abend flog Antonias Familie zurück nach Deutschland, meine Familie blieb noch bis Sonntag. So hatten wir noch zwei sehr schöne Tage in Hanoi.

Alles in allem war der Familienbesuch richtig gut. Es war sehr schön, nach so langer Zeit mal wieder alle zu sehen und dann auch noch mit ihnen zu reisen. Leider gingen auch diese knapp zwei Wochen viel zu schnell herum.  Gut war auch der Zeitpunkt in dem meine Familie kam. Ich war davor zum einen krank, zum anderen gab es viel zu tun un somit viel Stress im Projekt. Der Familienbesuch kam also genau richtig und hat mir einiges an Energie zurückgegeben. An dieser Stelle nochmal an meine Familie: Es war richtig schön, dass ihr gekommen seid. Schöne Grüße und bis in dreieinhalb Monaten 😉

 

International Women / Happiness Day

Folgende Tage sind auch noch besonders gewesen in der Zeit seit meinem letzten Beitrag: Am 8. März war Internationaler Frauentag, 12 Tage später der International Happiness Day. Zu beiden Tagen hatten wir in der TTG besondere Aktivitäten. Am Frauentag sind alle weiblichen Youngster und Mitarbeiter zu einer Pagode gefahren, während alle männlichen Youngster und Mitarbeiter eine kleine Feier am Abend vorbereitet haben (Essen vorbereiten, Kuchen backen, Dekoration, … ). Zum International Happiness Day sind wir am Nachmittag alle zusammen zum Mausoleum des Gia Long gefahren und abends waren wir in einem vegetarischen Restaurant essen. Es war wirklich schön mal einen Ausflug mit den Youngstern zu machen. Sie waren sehr glücklich über dieses besondere Ereignis, zumal viele von ihnen so gut wie nie Ausflüge machen.

Doch in diesem Abschnitt soll es nicht darum gehen, was genau wir gemacht haben, sondern viel mehr um meine Meinung gegenüber diesen beiden Tagen. Diejenigen, die mir auf Facebook oder Instagram folgen, haben es vielleicht schon gelesen.

Es ist einfach nur traurig solche Tage zu haben und es zeugt von nichts anderem als von der Dummheit der Menschen. Wozu sind diese Tage da? Offiziell um auf die Themen Happiness und Geschlechtergleichstellung aufmerksam zu machen. Dabei ist es doch nichts anderes, als einerseits den Frauen zu beweisen, dass sie immer noch das deutlich schwächer gestellte Geschlecht sind und andererseits festzustellen, dass den Themen Glück und Freude in unserer auf Geld ausgerichteten Gesellschaft keine Beachtung geschenkt wird. Denn wieso bräuchten wir diese Tage, wenn es Geschlechtergleichheit gibt oder der Weg zu Glück, Zufriedenheit oder Freude genauso wichtig ist wie das Geldverdienen?

Mit diesen Tagen tun wir einmal in 365 Tagen so, als wenn uns diese durchaus wichtigen Themen interessieren würden. Nach dem Motto: „Jetzt wissen wir wie viel Arbeit es ist jeden Tag zu kochen und sauber zu machen“ bzw. „Heute sind wir bitte alle glücklich“. Herzlichen Glückwunsch! Jeder der wirklich so denkt und nur so tut als ob, sollte nichts anderes tun als sich zu schämen. Denn wer so einen Tag braucht, um diese beiden Themen sich ins Gedächtnis zu rufen, wird nie verstehen, dass diesen mehr Beachtung an mehr Tagen, nämlich an jedem Tag im Jahr geschenkt werden muss.

Dies ist jedoch leider nicht so und deshalb wird es solange diese Tage geben, bis ehrgeizig mal etwas unternommen wird, um Verbesserungen bezüglich beiden Problemen zu erreichen. Doch unsere Gesellschaft feiert lieber einen Tag, um so zu tun, als wenn sie sich für die Themen interessiert. Und damit ist dann auch gut! Am nächsten Tag ist wieder alles so wie immer. Leider bleiben vielversprechende Bewegungen oder Organisationen, die sich Lösungsansätzen, Ideen, einem Aufbruch, gesellschaftlichem Wandel, oder wie auch immer man es nennen möchte, hingeben, die Minderheit.

 

Das war es dann wieder von mir. Owbwohl es dieses Mal alles andere als wenig zu lesen gab! Für mich geht es am Freitag in den Urlaub nach Laos, zusammen mit zwei Freunden. Darauf bin ich schon richtig gespannt, Berichte folgen hier auf dem Blog. Bis dahin viele Grüße und bis zum nächsten Beitrag,

Joschi

 

 

 

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5 Kommentare zu “Update
  1. Achim sagt:

    Joschi,
    ENDLICH wieder ein Beitrag. Vielen Dank für den tollen Urlaub, viel Spaß in Laos und in den restlichen 3 Monaten!
    Papa

  2. Vesna Franovic sagt:

    Hallo Joschi,
    habe mich wieder sehr über Deinen gelungenen Beitrag gefreut. Für uns waren es zwei wunderbare Wochen, die wir mit Dir verbringen konnten. Am meisten habe ich mich darüber gefreut, dass Du so viele nette Freunde gefunden hast und dass wir auf unserer Reise so tollen Menschen begegnet sind. Als wir wieder zu Hause waren, hatte ich ein gutes Gefühl für die Welt. Wir brauchen einfach noch viele solcher
    Leute, damit sich Grundlegendes ändert. Dabei ist jeder einzelne gefragt.
    Wir freuen uns, das Dein Projekt wirklich etwas besonderes ist. Du und Antonia habt hier die Chance viel für Euer Leben zu lernen. Ich hoffe, dass Ihr vor allem lernt, gelassener, spontaner und offener mit den Dingen des Lebens umzugehen ( was Euch schon ganz gut gelingt). Das wichtigste ist und bleibt, nicht alles ernst zu nehmen, seine Gefühle zu zeigen und über sich selbst zu lachen. Wenn Ihr nach meiner Devise lebt: “Blamiere Dich täglich!”, wird Euch vieles leichter fallen. Ich bin unheimlich stolz auf Dich, wie Du bisher alles gemeistert hast und wie Du Dich in dem wunderbaren Land zurechtgefunden hast. Ich wünsche Dir viel Spaß in Laos. Paß auf Dich auf und komm gesund wieder.
    Herzlichst
    Deine Mama

  3. Antje &Stephan sagt:

    Hallo lieber Joschi,
    Du bist ja gut über unsere politische Situation informiert.
    Was ich aber viel interessanter finde ist wie es in einem ” armen ” Land wie Vietnam zugeht. In vielen Ländern wächst der Tourismus schnell. Die Urlauber wollen halt einen günstigen Urlaub am Meer verbringen. Da denkt man nur ans ausspannen, sieht aber vom wahren Leben nichts. Schon wenn man aus dem Flugzeug schaut sieht man die kleinen Häuser in den Bergen, abgeschirmt vom Tourismus. Das Land ist angewiesen auf die Europäer die Geld bringen. Aber für sinnvolle Dinge wird es dann nicht ausgegeben. Du bist mittendrin und erlebst das mit.❗das ist schön traurig. Tja, wir sind keine Weltverbesserer, können nur zuschauen.
    Es ist aber auch schön das Du vie unternimmst, neue Freunde gefunden hast und Spass bei der Arbeit hast.
    Euer kleines Dorf gefällt mir sehr. Auch den Garten habt ihr schön angelegt.
    Es ist schön von dir gehört zu haben.
    Alles liebe, deine Antje 👐

  4. Detti sagt:

    Hallo joschi,
    freue mich zu hören, dass es dir gut geht und du mit dem, was du tust, glücklich bist. Das ist wichtig.
    ICh freue mich auf dich
    Detti

  5. claudia.herbort@freenet.de sagt:

    Lieber Aljoscha, Philipp und ich haben gerade deinen Beitrag gelesen und uns gefreut, wieder von dir zu hören.
    Wir haben schon einen Foto- und Erzähl-Abend mit deiner Familie verbracht und so schon einiges über die Vietnamreise gehört und gesehen. Tolle Landschaften… und noch viel schöner waren die Bilder aus dem TTG und von deinen Freunden, man kann so richtig erkennen wie wohl du dich fühlst. Toll, dass du in der doch kurzen Zeit so gute und bestimmt bereichernde Freundschaften geschlossen hast. Vietnam steht fest auf unserer Urlaubsziel-Wunschliste. In diesem Sommer geht es erstmal nach Bali, hoffentlich in weniger touristische Ecken von Bali (es gibt bestimmt auch dort viele Beispiele von wenig gelungenem Tourismus).
    Spannend finde ich, wie deine Pläne zum Studium sind… vielleicht ein Thema für den nächsten Blog !?

    Ganz herzliche Grüße aus Bielefeld, bleib gesund! Claudia und Philipp

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