Besuch beim Botschafter; Fußballturnier

Bevor es mit meinem Beitrag losgeht wünsche ich euch allen ein frohes neues Jahr 2018! Nach einem sehr anstrengenden Dezember, in dem sehr sehr viel los war, gibt es nun viel zu berichten. Dazu habe ich nun endlich auch etwas Zeit! Das alles wird nicht in einen Beitrag passen. Daher werden mehrere, nicht ganz so lange Beiträge nun kommen. Los geht´s:

Wie schon im letzten Beitrag angekündigt waren wir am 8. Dezember zum Empfang beim deutschen Botschafter in Hanoi eingeladen. Als ich ein paar Wochen zuvor die eMail mit der Einladung bekommen hatte, war ich natürlich überrascht. Ich hätte nie erwartet, dass wir als einfache weltwärts Freiwillige zum Empfang beim höchsten Vertreter unserer Regierung in Vietnam eingeladen werden. Umso leichter fiel die Entscheidung, der Einladung zu folgen und – zusammen mit den anderen sieben Kolping-Freiwilligen – zum Botschafter zu gehen.  

Gesagt, getan! Antonia und ich haben uns am Freitag, den 8. Dezember den Nachmittag frei genommen und sind nach dem Mittagessen nach Hanoi geflogen. Allgemein saß ich im letzten Monat so oft im Flugzeug… Naja, anderes Thema. Wir kamen pünktlich in Hanoi an, trafen uns im Hostel mit den anderen Freiwilligen und hatten noch genug Zeit um uns umzuziehen. Der Dresscode laut Einladung war sportlich-elegant. Jeans und Hemd reicht, dachten Jonathan und ich. Etwas anderes, eleganteres haben wir sowieso nicht dabei. Die Überraschung sollte später noch kommen.

Vor diesem Abend wussten wir nicht, was wir erwarten sollten. Schließlich waren wir noch nie zu so einem Empfang eingeladen worden. So gingen wir abends ohne große Erwartungen los. Eingeladen waren wir in der Residenz des Botschafters. Diese ist gar nicht so weit von unserem Hostel entfernt, weshalb wir dorthin gelaufen sind. Ist im Feierabendverkehr von Hanoi sowieso schneller als mit dem (Moped-)Taxi zu fahren. Wir freuten uns wirklich sehr auf einen besonderen Abend. 

Nun zurück zum Dresscode: Schon als wir ankamen merkten wir, dass wir komplett underdressed waren. Zudem waren wir fast die einzigen Gäste in unserem Alter. Die meisten anderen waren deutlich älter und zudem deutlich edler gekleidet. Dagegen wirkte unsere Jeans-weißes Hemd Kombination schon sehr einfach, fast zu einfach. Wirklich interessiert hat uns das jedoch nicht. Am Eingang wurden wir persönlich vom Botschafter und seiner Frau begrüßt, die auch etwas überrascht schauten als wir ankamen. Das heißt jedoch nicht, dass sie in irgendeiner Weise unfreundlich waren, im Gegenteil: Sie waren wirklich nett und haben sich am Ende des Abends noch eine Weile mit uns unterhalten, dazu jedoch später.

Zunächst war ich ziemlich überwältigt bei der Ankunft. Die Residenz des Botschafters war eine große Villa mit einem schönen Pool im Garten – und das alles mitten in Hanoi, wo es sonst nur eng und laut ist. Es war alles total edel eingerichtet mit einer großen Bar für die Getränke und einem Buffet im Garten. So etwas hatte ich definitiv nicht erwartet. An der Bar gab es auch total edle Getränke. Diese Chance ließen wir uns natürlich nicht nehmen und nahmen uns erstmal jeweils ein Glas sehr guten Wein. Sobald dieses leer war wurde von den vielen Kellnern, die draußen herumliefen, nachgeschenkt. 

Als der Botschafter seine Eröffnungsrede hielt, waren insgesamt gut 150 Gäste anwesend. In der Rede ging es auch kurz um das Thema, welches die deutsch-vietnamesischen Beziehungen stark belastet. Er sei jedoch zuversichtlich, dass sich dies in absehbarer Zeit wieder normalisieren wird, so der Botschafter. Falls ihr euch genauer informieren wollt:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/trinh-xuan-thanh-in-berlin-entfuehrtem-geschaeftsmann-droht-in-vietnam-todesstrafe-a-1186673.html

Nach ein paar Worten zur Begrüßung wurde dann auch das Buffet eröffnet. Ich will nicht alles beschreiben, was es zur Auswahl gab, nur eines: Es war viel und wahnsinnig gut. Ebenso war es sehr edel: Es gab zum Beispiel Kaviar und – mein persönlicher Favorit – Hummersuppe. Ein wirklich schöner Abend, an dem ich auch einige Leute kennengelernt haben. 

Erster Gang – zusammen mit dem einzigen, der den Dresscode so interpretiert hat wie wir

Am Ende des Abends konnten wir uns noch mit dem Botschafter und seiner Frau unterhalten. Die beiden waren freundlich und waren sehr interessiert an unseren Projekten. Da die Frau des Botschafters in Hanoi Projekte für Menschen mit Behinderungen unterstützt, sprachen wir eine Weile über die TTG. Sie wirkten sehr interessiert und der Botschafter gab mir am Ende seine Visitenkarte, damit ich ihm die Kontaktdaten von Antonia und mir schicken kann. Er möchte nämlich mit seiner Familie die TTG besuchen kommen. Dies hat leider nicht mehr in 2017 geklappt, da – wie er uns schrieb – der Plan für seinen Besuch in Hue nach Weihnachten schon stand. Wir wollen ihn aber auf jeden Fall nochmal einladen – vielleicht zur Feier des 20 Jährigen Jubiläums von EURASIA in der TTG. Wenn es klappt und er kommt werden Antonia und ich bestimmt etwas stolz sein.

 

Sightseeing in Hanoi

Da die anderen Kolping Freiwilligen am Tag nach dem Besuch beim Botschafter gefahren sind und Antonia eine Freundin besuchen war, hatte ich den Nachmittag für mich. So entschied ich etwas auf Sightseeing Tour zu gehen. Ohne großen Plan – einfach losgehen! Diese Art Sightseeing ist in Vietnam sowieso die beste. So kam ich auf meinem Weg am Militärhistorischen Museum Hanoi vorbei. Dieses fand ich ziemlich interessant, da ich sehen wollte wie das Militär oder Kriegshelden in Vietnam dargestellt werden.

Das Museum war insgesamt total interessant. Schon der Eingang wurde imposant “bewacht” von einem alten Panzer und einem Kampfflugzeug aus dem Vietnamkrieg. Auf einem roten Teppich ging es danach auf ein Denkmal zu:

Dargestellt sind Bilder aus verschiedenen Kriegen der Geschichte – Staatsheld Ho Chi Minh thront über allem

Die Inszenierung verschiedener Kriege war schon interessant. Zudem konnte ich so viele neue Dinge über die Geschichte Vietnams, die deutlich reicher und vielfältiger ist als “lediglich” der grausame und weltbekannte Vietnamkrieg der Amerikaner. Was dieser Krieg jedoch in Vietnam zerstört hat ist hier täglich sichtbar. Nahezu alle Sehenswürdigkeiten sind zerbombt worden und nur durch Restaurationen, die bei weitem nicht das originale Aussehen wiederherstellen können, wieder zu besuchen. Das ist leider schwer hier  auf dem Blog zu beschreiben, man muss es in Wirklichkeit oder in Museen wie dem Militärmuseum gesehen haben.

Alles in allem war es wirklich spannend dieses Museum. Hier ein paar Bilder:

73 Jahre Vietnam: Plakate wie diese sieht man überall in Vietnam – natürlich mit Ho Chi Minh

 

Der Flaggenturm von Hanoi steht ebenfalls auf dem Gelände des Museums

 

Ein Denkmal – gebaut aus Teilen abgeschossener amerikanischer Flugzeug

 

Flugzeuge, Panzer, Bomben und vieles mehr aus dem Vietnamkrieg

 

Weiter ging der Weg in Richtung des riesigen Paradeplatzes vor dem Mausoleum von Ho Chi Minh. Dort wollte ich reingehen, denn dort liegt der Leichnam dieser Legende einbalsamiert und für die Öffentlichkeit zu sehen. Leider hatte das Mausoleum jedoch schon geschlossen. Dennoch war es schön auch diesen Platz in Hanoi zu sehen, eine Sache, die man gesehen haben muss, wenn man Hanoi besucht:

Alles in Hanoi´s Innenstadt ist eng und laut – bis auf dieser riesige Platz

 

Trotz der Umgebung mit prächtigen Regierungsgebäuden ist das Mausoleum sehr schlicht und bescheiden (genau so, wie Bac Ho lebte)

Danach war der Tag auch schon so gut wie rum, am folgenden Sonntag ging es zurück nach Hue. Ein insgesamt wirklich schönes Wochenende, welches ich nicht vergessen werde.

 

Fußballturnier von Football For All in Vietnam (FFAV)

Eine Woche nach dem Besuch beim Botschafter gab es schon das nächste besondere Event – dieses Mal von meinem Projekt aus. Die Organisation Football For All in Vietnam veranstaltet jedes Jahr ein Fußballturnier in Hue zu dem Teams verschiedener Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen eingeladen werden. An diesem Jahr nimmt die TTG auch jedes Jahr Teil. Hier der Link zur Homepage von FFAV, falls ihr euch weiter über die Organisation informieren wollt:

http://www.ffav.com.vn/

Schon als ich das erste Mal von diesem Turnier gehört habe, sagte ich, dass ich unbedingt dabei sein möchte. Wie sehr ich Fußball mag, brauch ich glaube ich an dieser Stelle nicht zu erläutern. Mir wurde oft erzählt, dass ich nichts Großes erwarten soll, wirklich gut Fußball gespielt werde wohl nicht, es ginge lediglich um Spaß für die Youngster. Das war mir natürlich klar und genau das war es auch, weshalb ich dabei sein wollte. Um zu sehen, wie viel Spaß die Youngster bei meinem Lieblingssport haben.

Nach etwas Überzeugungsarbeit durfte ich schließlich mitfahren und es hat sich definitiv gelohnt. Zu Beginn wurde – wie bei jeder öffentlichen Veranstaltung – die Nationalhymne gesungen. Danach hatte jede teilnehmende Einrichtung die Möglichkeit etwas einstudiertes (Tanz, Karaoke, …) aufzuführen. Alles gut und schön, doch ich wollte Fußball spielen bzw. den Youngstern dabei zusehen.

Der restliche Vormittag bestand dann aus den Spielen. Allgemein habe ich die Youngster selten so fröhlich gesehen. Sie verstanden zwar wenig vom Spiel an sich, beim Wichtigsten – dem Teamgeist – waren sie jedoch klasse. Jeder hat jedem geholfen und so waren alle zusammen glücklich und haben sich über jedes Tor gefreut, egal ob es nun für sie oder für den Gegner war. Es war einfach wunderschön zuzuschauen, das sahen alle so. Eine wirklich schöne Veranstaltung. Leider konnten wir am Nachmittag nicht weiterspielen, da es mal wieder regnete. Das störte jedoch die Teilnehmer wenig, so konnten wir in der Halle stundenlang mit einem vietnamesischen Federball spielen. So einen habe ich mir auch gekauft, wenn ihr dieses Spiel einfach googlet findet ihr viele Bilder und Videos. 

Bei dem Spiel steht man im Kreis und versucht einfach nur hochzuhalten. Hört sich einfach an, ist aber sehr schwer; selbst wenn man nach 14 Jahren Fußball schon so etwas Ballgefühl hat. In Vietnam können das jedoch viele – auch einige der Youngster. Ich habe mir auch so ein Teil gekauft und bin dabei es zu lernen. Es klappt schon deutlich besser als ganz am Anfang. 

Viel zu schnell war dann auch dieser schöne Tag wieder rum und es ging in mein letztes ruhiges Wochenende in 2017. Dazu jedoch im nächsten Beitrag mehr. Hier noch ein paar Bilder von dem Fußballturnier vor dem Regen (falls die Gallerie nicht erscheint müsst ihr kurz die Seite neu laden – ich weiß noch nicht woran das liegt):

 

Das soll es dann auch schon wieder gewesen sein, in den nächsten Artikeln geht es dann um Weihnachten und Silvester in Bangkok.

Bis dahin, liebe Grüße

Joschi

 

 

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4 Kommentare zu “Besuch beim Botschafter; Fußballturnier
  1. Vesna Franovic sagt:

    Lieber Joschi,
    wieder ein toller Bericht, der mich doch öfter zum Lachen brachte.
    Weiterhin viel Spaß und Freude-
    ILD Mama

  2. Detti sagt:

    Joschi,
    hast es in kurzer zeit ja schon weit gebracht. Botschaftsempfang. Kaviar. Hummer. Champagnerbad. Wer weiß, was dir dort noch so alles widerfahren ist und du uns vorenthältst, um nicht die sprichwörtlichen neider auf den plan zu rufen. Weißt du eigentlich, wie viele jahre ich auf eine einladung eines botschafters warten mußte?
    Fußballerisch scheinst du dich in vietnam verbessert zu haben. Umgeben von menschen, die uns „anderen“ in vielerlei hinsicht zeigen, wie es gehen kann. Da trägst du sicherlich deinen anteil zu bei und Ich weiß, wieviel du den menschen dort gibst. Doch erahne ich auch, wie es dein leben bereichert und in einer art und weise verändern wird, die den meisten menschen leider vorenthalten bleibt.
    Zum krieg brauchen wir nichts zu sagen, ausser, dass die erinnerung an diesen und die damit verbundenen unvorstellbar barbarischen greuel aufrechterhalten bleiben müssen. Museen in hanoi und saigon zeugen davon.
    Hier in der beschaulichen wohlfühloase ostwestfalens nimmt alles seinen gewohnten lauf! Papa und mama souverän wie immer, nici verbringt noch mehr stunden vor dem spiegel als gewohnt und unsere kleine, süsse toni reift – fast unbemerkt und dabei lautlos – langsam zu einer jungen, hübschen frau. Und alle sind dir mit ihren gedanken und gefühlen zugetan. Du siehst, dein leben verläuft geradezu perfekt.
    Ansonsten … die tage der dunkelheit sind überstanden, die sonne hält wieder einzug in unser leben. Das wars dann auch schon von hier. und du erahnst, wie dringend wir deinen bericht über bangkok benötigen. Der uns die kraft geben wird, um dem täglichen wahnsinn die stirn bieten zu können.
    Liebe grüsse
    Detti

    P.s. ich könnte mir vorstellen, dass sich nici seit heute für den beruf des botschafters interessiert 😍😃😇

  3. Der Rest der Kleins sagt:

    Liebster joschi,
    Ich vergass, viele grüsse auch von jae hee, lotti und arno. Sie alle freuen sich, wenn ich von dir und deinen abenteuern berichte und in ihnen das feuer der sehnsucht nach fernen ländern zum lodern bringe. Deine karten sind hier letzte woche angekommen. Also.
    Liebe grüsse von den 3
    Arno, Lotti, Jae Hee

  4. Sylvi sagt:

    Hey Joschi! Fühl dich gedrückt für deine Postkarte. Das war sooo lieb von dir… der Apfel fällt ja nicht weit vom Stamm 😉
    (Ach Vesna, ich meine doch Achim!)

    Also deine Postkarte hat mich so inspiriert, dass ich mir endlich (!)die Zeit genommen habe, deinen Blogg zu studieren, und ich schliesse mich gerne allen anderen an: es ist eine Freude, dich zu lesen, deine Lebensfreude zu spüren. Eine gute Mischung aus Gelassenheit und Abenteuerlust. Toll für uns alle der Blick durch (d)ein Fenster in eine uns fremde Welt.
    Klasse finde ich, dass du auch widrigen Umständen immer etwas Positives abgewinnst, wobei du mit dem Ausmisten eines Kuhstalles im Regen auch eine Grenzerfahrung machen musstest, oder?

    Interessieren würde mich, wie die Vietnamesen Religion leben, kennen sie Jesus, oder ist es mehr Spiritualität?

    Lieber Joschi, ich wünsche dir weiter von Herzen Gottes reichen Segen. Vielleicht weniger Bier am Morgen oder den doppelten Whiskey am Abend, damit deine Sinne sich noch anderen Lieblingsorten neben einem Mausoleum zuwenden können 😉

    Herzlichst
    Sylvia 😀

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